Bilanz der Minen-Räumung
 
 
Entwicklungshemmnisse in den armgehaltenen Ländern. Und immer noch kein generelles Verbot der Landminen. Wie ist das möglich?

Nach seriösen Schätzungen von Hilfsorganisationen wurden in den vergangenen 20 Jahren über eine Million Menschen Opfer von Landminen. Das humanitäre Völkerrecht zählt Minen zu den »unterschiedslos wirkenden Waffen«, die ähnlich den atomaren, biologischen und chemischen Waffen in ihrer Wirkung keinen Unterschied zwischen Soldaten und der Zivilbevölkerung machen. Noch Jahre nach Beendigung eines Krieges lauern die heimlichen Killer im Boden auf das nächste Opfer. 120 Millionen Minen weltweit, jedes dritte Land auf der Welt ist vermint. Täglich bringen neue kriegerische Auseinandersetzungen neue Minen in die Erde. Nach UN-Angaben sind Minen eines der größten  Entwicklungshemmnisse in den armgehaltenen Ländern. Und immer noch kein generelles Verbot der Landminen. Wie ist das möglich? Erst in den letzten beiden Jahren nimmt die Weltöffentlichkeit das Problem der globalen Verminung zur Kenntnis. Dies ist ein großes Verdienst der »International Campaign to Ban Landmines«,

die seit langem die Minenproblematik anprangert und politische Lösungen vorschlägt. Es gab andererseits auch realpolitische Gründe, die die Minengefahr zu einem internationalen Politikum werden ließen. Seit den epochalen Veränderungen von 1989 nahmen UN-Missionen in den drei armgehaltenen Kontinenten Afrika, Asien und Lateinamerika zu. Mit dem Einsatz von UN-Blauhelmen in vielen Ländern häuften sich in den Medien die Berichte über Minenunfälle. Die zu Friedensmissionen oder Wahlkampfbeobachtung eingesetzten Blauhelme wurden Opfer von Landminen; UN-Hilfskonvois scheiterten in vielen Fällen an Minensperrgürteln oder verminten Straßen. Die Bilder aus dem Bürgerkrieg im ehemaligen Jugoslawien gingen um die Welt.