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Anzündarten und die Entwicklung

Das Anzündhütchen !

Ganz vorneweg:

Begriffe wie Zünder oder Zündkapseln oder anderes sind falsch.

Der Ausdruck Zünder gilt bei Minen oder Bomben, nicht aber bei Metallpatronen. Die um 1860 erfundene Zentralfeuerzündung mit dem eingesetzten Zündhütchen im Patronenboden war damals der letzte Schrei der Waffentechnik. Zwar hatte es bereits in den 30er Jahren Versuche mit "selbstdichtenden" Metallpatronen gegeben und 1849 bekam der französische Büchsenmacher Flobert ein Patent auf seine erste Randfeuerpatrone, Flobert hatte einen Gedanken weiterverfolgt, den andere Erfinder schon 50 Jahre vor ihm gehabt, dann aber wieder verworfen hatten. Floberts Patronen sind eigentlich nichts anderes als Zündhütchen mit hohem Wulst oder Rand und einer Rundkugel in der Öffnung. Sie werden teilweise heute noch hergestellt. Die bekannteste Abwandlung davon dürfte die Patrone .22 long Rifle (auch: lfB = lang für Büchsen) sein. Der Amerikaner Rollin White entwickelte wie schon erwähnt bereits 1853 die erste Randfeuer-Revolverpatrone. Bei den Randfeuerpatronen erfolgt die Zündung durch einen Stoß des Schlagbolzens auf den vorstehenden Hülsenrand. Die Quecksilberzündmasse ist in den hohlen Rand eingegossen. Die Schlagbolzenspitze quetscht den Rand an einen Punkt. Damit Randfeuerpatronen zuverlässig zünden und auch aus fertigungstechnischen Gründen, kann für die Herstellung nur sehr dünnes Blech verwendet werden. Die Tatsache beschränkt die Verwendung dieser Zündungsart auf Munitionssorten mit schwachen Ladungen. Top

Das ist der Hauptgrund, warum die billige Randfeuermunition heute nur noch für kleinkalibrige Waffen hergestellt wird. Bevor wir nun zur Zentralfeuerzündung kommen muß noch eine fast vergessene Zündungsart erwähnt werden, nämlich die Lefaucheux- oder Stift- Zündung. Lefaucheux-Patronen gab es im vorigen Jahrhundert in vielen Kalibern, für Revolver und Jagdflinten. Die Schrotpatronen, in die in Frankreich seit 1835 und bis auf den heutigen Tag hergestellt werden, haben eine Papphülse mit einem Metall-Randboden, aus dem seitlichen der Zündstift herausragt. Die Revolverpatronen sind längst nicht mehr im Handel. Sie hatten randlose Kupferhülsen und ebenfalls den typischen Lefaucheux-Stift. Dieser Zündstift dient als Schlagbolzen. Er führt durch die Patronenwand bis in die Höhlung eines Zündhütchens, das innen im Patronenboden liegt. Wird der Stift vom Hahn eingeschlagen, so trifft seine Spitze auf die Zündmasse. Die Explosion des Zündhütchens entzündet das umliegende Pulver. Lefaucheux Waffen sind daran zu erkennen, daß sie am oberen Ende des Patronenlagers eine Kerbe tragen. Durch diese Kerbe ragt der Zündstift der Patrone aus dem Lauf und kann vom Hahn erreicht werden. Bei Metallpatronen mit Zentralfeuerzündung ist - wie schon der Name sagt- das Zündhütchen in der Mitte des Patronenbodens angeordnet, Bei der Zentralfeuerzündung wird noch zwei Systemen unterschieden, nämlich der Berdan- und der Boxerzündung. Zuerst das Berdanzündhütchen, welches früher auch als Mauserzündhütchen bezeichnet werden. Dieses Zündhütchen setzt Hülsen voraus, in deren Boden ein Amboß eingepreßt ist, der das Gegenlager für die Spitzen des Schlagbolzens bildet. Der durch Punktkompression zwischen dem Amboß und der Spitze des Schlagbolzenspitze erreichte Zündstrahl gelangt durch die gebohrten Zündlöcher- hier in der Regel zwei- in den Pulverraum. Berdanzündhütchen wurden bis vor wenigen Jahren in fast allen Büchsenpatronen, Revolver- und Pistolenpatronen sowie Knallpatronen und Kartuschen verwendet. Das Boxerzündhütchen ist ähnlich aufgebaut, nur ist hier der Amboß der Schlagbolzen als Gegenlager dient im Zündhütchen eingepreßt. Boxerzündhütchen weisen in der Regel nur ein zentrales Zündloch auf. Auch die Zündmasse in den Anzündhütchen hat sich seit der Erfindung durch den Engländer Egg 1817 geändert. Verwendete dieser in seinen Metallkapseln noch Kaliumchlorat, Schwefel und Kohlepulver später Knallquecksilber, Bleirhodanit und Bleiferrozyanid, verwendet man heute fast nur noch organische Stoffe wie Tricinat, Tetrazen sowie Bariumnitrat und Bleidioxyd. Der Grund für diese Änderungen waren die giftigen Dämpfe, die für Beschädigungen und Rost im Lauf verantwortlich waren. Top